Quo Vadis Traceur?








Quo Vadis Traceur?
An den Grenzen der Dinge – in unserem Fall der Gebäude im städtischen Kontext – ‚fransen’ die von „Strategen“ konstruierten Körper ‚aus’ und werden durch die „Taktiker“ geschickt manipuliert. Als einen solchen Taktiker verstehe ich den von Stadtkindern sehr geliebten ‚Traceur’, „der eine Spur legt“, die die Wahrnehmung von Oberflächen und Konturen der gebauten Körper verändert.
Der Traceur betrachtet die Stadt und die sich ihm bietenden Gebäude als einen ‚Parkour’. Er setzt seinen Körper ein, um mit sehr geschickten und eleganten Bewegungen Hindernisse spielend zu überwinden und alle erdenklichen Orte zu erreichen bzw. zu passieren. Der Traceur verändert unsere Auffassung des architektonischen Raumes. Er entgrenzt den Architekturbegriff, indem er sich vertikal und diagonal auf der Außenhaut von Bauwerken bewegt und uns damit die Horizonte der Stadt erschließt, die wir auf der Vertikale meistens weit oben finden.
Solche springenden Bewegungen, werden nicht nur im physischen Raum, sondern auch beim bloßen Betrachten der Gestalt eines Gebäudes nachvollzogen. Das Auge sucht einen Weg um ein ihn ansprechendes Gebäude herum, an ihm entlang oder durch vorhandene Öffnungen hindurch. Fokus um Fokus wandert man gedanklich über die Oberflächen, beschreibt sie, orientiert sich und vollführt Richtungswechsel. Auf diese Weise erfährt auch der Betrachtende letztlich den Baukörper, er kennt sich mitunter nun besser damit aus und rechnet ihn zu seinem geistigen Territorium. Dieses “neue” Gebäude wird die Grundlage für Verhaltensweisen und Ausdruck des Betrachters auch in Bezug auf das Gebäude selbst herstellen.
In Gedanken ist die Vorstellung von der Beweglichkeit und der Möglichkeit der Aufhebung oder Verschiebung der Grenzen eines Körpers bereits angelegt und schon eine Betrachtung – sei es ein ‚Spaziergang mit den Augen’, eine zeichnerische Studie oder eine sprachliche Artikulation – verändert diesen Körper selbst.
Quo Vadis Traceur? wurde im Rahmen des Wettbewerbs „Wandgestaltung Bänschstr./Schreinerstr.“ im Juni 2009 zur Umsetzung empfohlen. Der Wettbewerb wurde finanziert aus Mitteln des Bezirksamt Berlin Friedrichshain-Kreuzberg /Abt. Stadtentwicklung und vom Kunstraum Kreuzberg/Bethanien
ausgelobt.
Fachpreisrichter: Leonie Baumann, Gisela Genthner (Vorsitz),
Katja Jedermann, Robert Schmidt-Matt, Oliver Oefelein (ständig anwesender stellv. Preisrichter)
Sachpreisrichter: Sigrid Klebba (Bezirksstadträtin für Finanzen,
Bildung, Kultur und Sport), Jutta Kalepky (Bezirksstadträtin für
Bauen, Wohnen und Immobilienservice), Herr Ecarius (Bezirksamt
Friedrichshain-Kreuzberg, Sanierungsgebiet Traveplatz/Ostkreuz)
Vorprüfung/Wettbewerbskoordination: Stéphane Bauer (Friedrichshain-Kreuzberg, Leiter Kunstraum Kreuzberg)
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Vielen Dank an:
Die beteiligten Kinder:
Anina, Raphael, Kevin, Ilenga, Shirley, Melody, Marcelo und Yeliz
Die Traceure:
Björn Beau, Thomas„Thomster“ Fleckenstein, Amadei Weiland (Foto oben)
Martin Schönfeld (Büro für Kunst im öffentlichen Raum, BBK)
Marion Schuchardt (Stattbau)
Fr. Egel und Nils (Kinderzentrum Raabe)
Marie-Luise Klein (Freiraum Berlin)
Iris Hempelmann
Mark Straeck
Thomas Naumann
©Thomas Bratzke, 2010
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- Published:
- 08.23.10 / 10pm
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